Als der Vater von Markus starb, hinterließ er 10.000 Fotos auf seinem iPhone. Urlaubsbilder. Familienmomente. Die letzten Jahre seines Lebens in Bildern — alles hinter einem sechsstelligen Code, den niemand kannte. Nach vier Monaten, mehreren Anrufen und einem Schreiben ans Rechenzentrum war klar: ohne Passwort kein Zugang. Die Fotos existieren noch. Erreichbar sind sie nicht.
Eine andere Geschichte: Sabine entdeckte drei Monate nach dem Ernstfall, dass monatlich noch 47,90 Euro für ein Streamingpaket abgebucht wurden. Die Kündigung dauerte Wochen — weil niemand Benutzername oder Passwort kannte, und der Anbieter ohne Zugang nicht kündigen wollte.
Beides wäre mit einem halben Abend Vorbereitung lösbar gewesen. Ein durchschnittlicher Internetnutzer hat heute über 100 Online-Konten. Die meisten Menschen denken nicht daran, was mit diesen Konten passiert — weil es keinen natürlichen Moment gibt, an dem man daran denkt. Dieser Leitfaden ist dieser Moment.
Inhaltsübersicht
- Was ist digitaler Nachlass?
- Was gehört zum digitalen Nachlass? Die 8 Kategorien
- Passwörter und Zugangsdaten: Zugang ermöglichen ohne Sicherheit aufzugeben
- Was wünschst du dir für deine Konten?
- Digitalen Nachlass regeln: Schritt für Schritt in einem Abend
- Digitalen Nachlass rechtlich absichern
- Häufige Fragen zum digitalen Nachlass
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Digitaler Nachlass bezeichnet alle digitalen Vermögenswerte, Daten, Konten und Verträge einer Person — alles, was nach ihrem Tod in irgendeiner Form weiterexistiert oder weiterläuft. Der Bundesgerichtshof hat 2018 klargestellt: Digitaler Nachlass ist vererbbar, genauso wie physisches Eigentum (BGH III ZR 183/17). Die Frage ist nicht ob — sondern wie. Und genau daran scheitern die meisten Familien: nicht am Recht, sondern am fehlenden Zugang.
Digitaler Nachlass bezeichnet alle digitalen Vermögenswerte, Daten, Konten und Verträge einer Person — alles, was nach ihrem Tod in irgendeiner Form weiterexistiert oder weiterläuft. E-Mails. Social-Media-Profile. Cloud-gespeicherte Fotos. Online-Banking. Streaming-Abonnements. Domains. Krypto-Wallets.
Der Bundesgerichtshof hat 2018 in einem wegweisenden Urteil klargestellt: Digitaler Nachlass ist vererbbar — genauso wie physisches Eigentum (BGH III ZR 183/17). Erben haben grundsätzlich das Recht, auf die digitalen Konten der Verstorbenen zuzugreifen. Die Frage ist nicht ob — sondern wie. Und genau daran scheitern die meisten Familien: nicht am Recht, sondern am fehlenden Zugang.
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Alle Online-Konten, Zugänge und Wünsche strukturiert erfasst — als PDF zum Ausdrucken und Ergänzen. Digitaler Nachlass Checkliste herunterladen →
Was gehört zum digitalen Nachlass? Die 8 Kategorien
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Ein durchschnittlicher Internetnutzer hat heute über 100 Online-Konten. Sie lassen sich in 8 Kategorien einteilen: E-Mail, Social Media, Cloud-Speicher und Fotos, Online-Banking und Bezahldienste, Abonnements, Online-Shops, Domains und Websites, sowie Krypto-Wallets. Jede Kategorie braucht eine eigene Regelung — sowohl für den Zugang als auch für den Wunsch, was damit passieren soll.
Diese acht Bereiche bilden den vollständigen digitalen Nachlass einer durchschnittlichen Person:
1. E-Mail-Konten
Das E-Mail-Konto ist das Zentrum des digitalen Lebens — es verknüpft fast alle anderen Konten. Ohne Zugang lassen sich die meisten anderen Passwörter nicht zurücksetzen. Was passiert ohne Regelung: Das Konto bleibt bestehen, läuft weiter, kann von niemandem genutzt oder geschlossen werden — oft für Jahre. Was du tun kannst: Benutzernamen und den Hinweis auf das Passwort dokumentieren. Bei Google gibt es zusätzlich den Inaktiven-Konto-Manager.
2. Social-Media-Profile
Facebook, Instagram, LinkedIn, X — ohne Regelung bleiben Profile einfach stehen. Sie tauchen in Erinnerungsfunktionen auf, in Geburtstagserinnerungen, in Vorschlägen für andere. Das kann für Angehörige schmerzhaft sein. Was du tun kannst: Wünsche festhalten — Memorialisierung, Löschung oder Übergabe an eine Vertrauensperson. Jede Plattform hat eigene Prozesse dafür.
3. Cloud-Speicher und Fotos
iCloud, Google Fotos, Dropbox, OneDrive — hier liegen für viele Menschen die wertvollsten digitalen Güter: Familienfotos, Videoerinnerungen, gescannte Dokumente. Was passiert ohne Regelung: Bei Ablauf des Abos werden Daten gelöscht. Ohne Zugangsdaten sind Dateien nicht erreichbar. Was du tun kannst: Benutzernamen und Hinweis auf Passwort-Speicherort dokumentieren, Familienmitglied benennen, dem der Zugang weitergegeben werden soll.
4. Online-Banking und Bezahldienste
PayPal-Guthaben, Bankkonten mit Online-Zugang, Kreditkartenkonten. Erben haben das rechtliche Recht auf Zugang — aber ohne Zugangsdaten dauert die Umsetzung Monate. Was du tun kannst: Bankvollmacht einrichten (separat beim Kreditinstitut), Benutzernamen im Notfallordner dokumentieren.
5. Abonnements und Streamingdienste
Netflix, Spotify, Amazon Prime, Zeitschriften-Abos, Mitgliedschaften — die meisten laufen per Lastschrift und kündigen sich nicht von selbst. Was passiert ohne Regelung: Sie laufen weiter, werden weiter abgebucht, die Kündigung durch Angehörige ohne Zugangsdaten ist mühsam bis unmöglich. Was du tun kannst: Liste aller laufenden Abonnements im Notfallordner führen — Dienst, Betrag, Konto, von dem abgebucht wird.
6. Online-Shops und Marktplätze
Amazon-Konten mit gespeicherten Zahlungsdaten, eBay, Etsy-Shops, gespeicherte Gutscheine. Was passiert ohne Regelung: Konten bleiben bestehen, Guthaben verfällt, laufende Transaktionen werden nicht abgeschlossen. Was du tun kannst: Konten auflisten, bei aktiven Shops Nachfolge oder Schließung klären.
7. Domains und Websites
Selbst betriebene Websites, registrierte Domains, Hosting-Verträge — sie laufen weiter und erzeugen Kosten, bis jemand kündigt. Was passiert ohne Regelung: Rechnungen laufen auf, nach Ablauf verschwinden Websites oder werden von Dritten aufgekauft. Was du tun kannst: Registrar und Hosting-Anbieter dokumentieren, Zugangsdaten oder Hinweis auf deren Aufbewahrungsort notieren.
8. Krypto-Wallets und digitale Währungen
Bitcoin, Ethereum und andere Kryptowährungen sind ohne den privaten Schlüssel (Seed Phrase) unwiederbringlich verloren. Schätzungen zufolge sind bereits Milliarden an Kryptowährungen dauerhaft verloren, weil die Inhaber ohne Regelung verstorben sind. Was du tun kannst: Den Aufbewahrungsort der Seed Phrase dokumentieren — niemals die Seed Phrase selbst digital speichern oder in einem zugänglichen Ordner notieren. Nur der Hinweis: „Seed Phrase liegt in [sehr sicherem Ort]."
→ Vollständige Checkliste aller Konten
E-Mail, Social Media, Cloud, Banking, Abos — alles strukturiert erfasst. Direkt zum Ausfüllen. Digitaler Nachlass Checkliste: Online-Konten und Zugänge dokumentieren →
Passwörter und Zugangsdaten: Zugang ermöglichen ohne Sicherheit aufzugeben
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Die wichtigste Regel: Passwörter niemals digital speichern. Kein E-Mail, keine Cloud-Datei, keine Textnachricht. Die drei sicheren Wege sind: Passwort-Manager mit Notfallzugang, physisches Notizbuch an sicherem Ort, oder handschriftliche Ergänzung zum ausgedruckten Notfallordner. Allen drei gemeinsam: Passwörter bleiben physisch und nicht digital — solange du sie nicht brauchst.
Die wichtigste Regel beim digitalen Nachlass
Teile Passwörter niemals digital mit. Kein E-Mail. Keine Textnachricht. Keine Cloud-Datei. Kein Online-Dokument. Passwörter, die digital gespeichert sind, können gestohlen, gehackt oder versehentlich weitergegeben werden. Alles, was digital gespeichert ist, ist ein Sicherheitsrisiko — unabhängig davon, wie gut der Dienst ist.
Was stattdessen funktioniert — drei Wege, jeder mit seinen Eigenschaften:
Weg 1: Passwort-Manager mit Notfallzugang
Dienste wie 1Password oder Bitwarden bieten eine "Emergency Access"-Funktion: Du benennst eine Vertrauensperson, die nach einer definierten Wartezeit Zugang zu deinem Passwort-Manager bekommt. Das ist die technisch eleganteste Lösung — aber sie setzt voraus, dass deine Vertrauensperson technisch versiert genug ist, damit umzugehen.
Weg 2: Physisches Notizbuch — sicher verwahrt
Ein handschriftlich geführtes Passwort-Notizbuch, aufbewahrt an einem sicheren Ort (zum Beispiel in einem Tresor oder bei einem Notar), ist eine einfache und zuverlässige Lösung. Die Hürde: Es muss aktuell gehalten werden. Wer seine Passwörter häufig ändert, braucht Disziplin beim Aktualisieren.
Weg 3: Handschriftliche Ergänzung zum Notfallordner
Das ist der Ansatz von MeinLebensordner: Im digitalen Schritt des Fragebogens werden Benutzernamen und Wünsche erfasst — aber keine Passwörter. Nach dem Ausdrucken des fertigen Dokuments gibt es eine eigens gekennzeichnete Seite, auf der Passwörter handschriftlich ergänzt werden können. Das Dokument selbst enthält sie nicht — der ausgefüllte physische Ordner, sicher verwahrt, schon.
⚠️ Sicherheitshinweis
Trage niemals Passwörter, PINs, Kreditkartendaten oder Krypto-Seed-Phrasen in ein ungesichertes Dokument ein — weder digital noch physisch in einem Ordner, der nicht in einem Tresor liegt. Der Hinweis auf den sicheren Aufbewahrungsort ist ausreichend: „Passwörter im grauen Notizbuch, Schreibtischschublade links."
Was wünschst du dir für deine Konten?
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Die meisten Plattformen bieten drei Optionen: Memorialisierung (Gedenkseite), Löschung oder Daten-Übergabe an eine Vertrauensperson. Den Facebook Legacy Contact und den Google Inaktiven-Konto-Manager jetzt einzurichten dauert jeweils unter fünf Minuten — und nimmt deiner Familie eine schwierige Entscheidung ab.
Digitaler Nachlass ist nicht nur eine technische Frage — es ist auch eine persönliche. Was soll mit deinem Facebook-Profil passieren? Mit deinen Fotos? Mit deinen E-Mails?
Die meisten großen Plattformen bieten drei Optionen:
| Plattform | Memorialisierung | Löschung | Daten-Übergabe |
|---|---|---|---|
| Facebook / Meta | Ja — "Gedenkseite" möglich | Ja — durch Angehörige beantragbar | Über "Legacy Contact" eingeschränkt möglich |
| Nein | Ja — durch Angehörige oder automatisch | Ja — über "Inaktiven-Konto-Manager" vorab einrichten | |
| Apple / iCloud | Nein | Ja — nach Antrag mit Sterbeurkunde | Ja — über "Digital Legacy" vorab einrichten (ab iOS 15.2) |
| Ja — auf Antrag durch Angehörige | Ja — auf Antrag durch Angehörige | Eingeschränkt möglich |
Der wichtigste Schritt bei jeder dieser Plattformen: Richte die Übergabe- oder Legacy-Funktion jetzt ein — solange du es kannst. Facebook Legacy Contact und Google Inaktiven-Konto-Manager können beide vorab eingerichtet werden. Das dauert jeweils unter fünf Minuten.
Alles in einem Abend
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Mit der richtigen Struktur bist du in 30 bis 45 Minuten durch die wichtigsten Schritte: E-Mail-Konten erfassen, Social-Media-Wünsche festhalten, Abonnements aus dem Posteingang herausfiltern, Cloud-Speicher regeln — und Passwörter anschließend handschriftlich im ausgedruckten Dokument ergänzen.
Das klingt nach einer großen Aufgabe. Es ist eine mittlere. Mit der richtigen Struktur bist du in einem Abend durch — nicht perfekt, aber vollständig genug, um deiner Familie im Ernstfall wirklich zu helfen.
Was du für diesen Abend brauchst: Dein Smartphone (für App-Übersicht), deinen E-Mail-Posteingang (für Abo-Bestätigungen), einen Stift und das Kapitel "Digitales Leben" in deinem Notfallordner, 30–45 Minuten.
Schritt 1 — E-Mail-Konten erfassen
Notiere alle E-Mail-Adressen, die du aktiv nutzt. Benutzername und Anbieter reichen. Den Passwort-Hinweis handschriftlich ergänzen.
Schritt 2 — Social Media durchgehen
Welche Profile hast du? Facebook, Instagram, LinkedIn, X, Pinterest, TikTok? Für jedes: Benutzername notieren, Wunsch festhalten (Löschen / Memorialisierung / Übergabe an wen). Legacy Contact bei Facebook und Inaktiven-Konto-Manager bei Google direkt einrichten.
Schritt 3 — Abonnements aus dem E-Mail-Posteingang ausgraben
Suche in deinem E-Mail-Posteingang nach "Rechnung", "Abo", "Kündigung", "Mitgliedschaft". Du wirst überrascht sein, was auftaucht. Liste alles auf: Dienst, monatlicher Betrag, Konto, von dem abgebucht wird.
Schritt 4 — Cloud-Speicher und Fotos
iCloud, Google Fotos, Dropbox — wo liegen deine Fotos und Dateien? Wer soll Zugang bekommen? Apple Digital Legacy und Google Fotos-Freigabe jetzt einrichten.
Schritt 5 — Passwörter physisch ergänzen
Nach dem Ausdrucken deines Notfallordners: Passwörter handschriftlich auf der vorgesehenen Seite ergänzen. Nie digital speichern.
Was diese Liste nicht tut
Diese Schritte zeigen dir, was zu tun ist. Was sie nicht tun: dich durch die richtige Reihenfolge führen, sicherstellen, dass du nichts vergisst, deine Einträge in ein sauber strukturiertes Dokument übertragen. MeinLebensordner hat ein eigenes Kapitel für deinen digitalen Nachlass — mit den richtigen Fragen, der richtigen Struktur und der Passwort-Seite, die handschriftlich ergänzt wird.
→ Notfallordner als Basis
Der digitale Nachlass ist ein Kapitel deines gesamten Notfallordners — zusammen mit Vollmachten, Finanzen und medizinischen Informationen. Notfallordner: Was reingehört, wie du ihn anlegst →
Digitalen Nachlass rechtlich absichern — Was du wissen musst
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Das BGH-Urteil vom 12. Juli 2018 (Az. III ZR 183/17) ist der rechtliche Grundstein: Digitaler Nachlass ist vererbbar, Erben treten in alle Rechte aus Online-Verträgen ein — einschließlich E-Mail-Konten und Social-Media-Profilen. Zusätzlich kann eine Vollmacht für digitale Konten ausdrücklich in die Vorsorgevollmacht aufgenommen werden.
Das BGH-Urteil von 2018 (III ZR 183/17) ist der rechtliche Grundstein für alles, was oben steht: Digitaler Nachlass ist vererbbar. Erben treten in alle Rechte und Pflichten aus Online-Verträgen ein — das schließt E-Mail-Konten, Social-Media-Profile und andere digitale Dienste ausdrücklich ein.
Was das konkret bedeutet:
- Erben haben das Recht auf Zugang zu den Konten der Verstorbenen — auch wenn Plattformen das intern anders handhaben. Das Recht ist klar, der praktische Weg dorthin ist es oft nicht.
- DSGVO Art. 17 (Recht auf Löschung) gilt auch für Verstorbene — Angehörige können im Namen der Erben die Löschung von Konten beantragen.
- Eine Vollmacht für digitale Konten ist rechtlich möglich und sinnvoll — sie kann in die allgemeine Vorsorgevollmacht aufgenommen werden. Formulierung: "Die Vollmacht erstreckt sich auch auf alle digitalen Konten und Online-Verträge des Vollmachtgebers."
Rechtliche Grundlage
BGH-Urteil vom 12. Juli 2018, Az. III ZR 183/17: Digitale Konten sind vererbbar — Erben können alle Inhalte einschließlich Nachrichten beanspruchen. Quelle: Bundesgerichtshof (BGH)
🔗 Vorsorgevollmacht mit digitalem Nachlass verknüpfen
Wer seine Vollmacht um eine Regelung für digitale Konten ergänzen möchte, findet die rechtliche Grundlage und eine Musterformulierung im vollständigen Vollmacht-Leitfaden. Vollmacht & Vorsorgevollmacht: Der vollständige Leitfaden →
Häufige Fragen zum digitalen Nachlass
Was passiert mit Online-Konten, wenn jemand nicht mehr handlungsfähig ist?
Ohne Regelung bleiben die meisten Konten einfach bestehen — Abonnements laufen weiter, Profile tauchen in Erinnerungsfunktionen auf, Fotos bleiben hinter gesperrten Passwörtern. Erben haben laut BGH-Urteil von 2018 das Recht auf Zugang, scheitern aber oft an fehlenden Zugangsdaten. Mit einer kurzen Vorbereitung lässt sich all das verhindern.
Dürfen Angehörige auf meine Online-Konten zugreifen?
Ja. Laut BGH-Urteil vom 12. Juli 2018 (Az. III ZR 183/17) ist digitaler Nachlass vererbbar — Erben treten in alle Rechte aus Online-Verträgen ein. Das gilt für E-Mail-Konten, Social-Media-Profile und andere digitale Dienste. Die praktische Herausforderung ist der Zugang ohne Passwörter, nicht das Recht dazu.
Wie sichere ich meine Passwörter für den Notfall — ohne sie online zu speichern?
Die sicherste Methode: handschriftlich in einem physischen Notizbuch, aufbewahrt an einem sicheren Ort — oder als handschriftliche Ergänzung zum ausgedruckten Notfallordner. Passwörter sollten niemals in einer digitalen Datei, E-Mail oder Cloud gespeichert werden. Alternativ: ein Passwort-Manager (1Password, Bitwarden) mit eingerichteter Notfallzugang-Funktion für eine Vertrauensperson.
Was passiert mit meinen Fotos in der Cloud?
Das hängt vom Dienst und vom laufenden Abo ab. Bei Apple iCloud werden Daten nach Ablauf des Abos gelöscht — außer du hast über die Digital Legacy-Funktion (ab iOS 15.2) eine Vertrauensperson benannt. Bei Google Fotos kannst du über den Inaktiven-Konto-Manager festlegen, was mit deinen Daten passiert. Ohne Regelung und ohne Zugangsdaten sind die Fotos für Angehörige praktisch nicht erreichbar — selbst wenn das Recht auf Zugang juristisch besteht.
Kann ich digitale Konten in meine Vorsorgevollmacht aufnehmen?
Ja. In der Vorsorgevollmacht kann ausdrücklich geregelt werden, dass sie sich auch auf alle digitalen Konten und Online-Verträge erstreckt. Eine entsprechende Formulierung lautet: "Die Vollmacht erstreckt sich auch auf alle digitalen Konten und Online-Verträge des Vollmachtgebers." Das gibt der bevollmächtigten Person das rechtliche Fundament, um gegenüber Plattformen zu handeln.
Wie viele Online-Konten hat eine durchschnittliche Person?
Laut einer Studie von NordPass (2023) hat ein durchschnittlicher Internetnutzer über 100 aktive Online-Konten. Viele davon sind längst vergessen — laufen aber weiter, zum Teil mit laufenden Zahlungen. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen beim digitalen Nachlass ist daher das systematische Herausfiltern aller aktiven Abonnements aus dem E-Mail-Posteingang.
Für alle Fälle
Digitaler Nachlass, Vollmachten, Notfallkontakte — alles an einem Ort.
MeinLebensordner führt dich durch alle Kapitel — inklusive einem eigenen Abschnitt für deinen digitalen Nachlass mit der richtigen Passwort-Regelung. Vollständig ausgefüllt, druckfertig, an einem Abend erledigt.
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Quellen und rechtliche Grundlagen
- Bundesgerichtshof: BGH-Urteil III ZR 183/17 vom 12. Juli 2018 — Digitaler Nachlass ist vererbbar
- DSGVO Art. 17 — Recht auf Löschung personenbezogener Daten
- NordPass: Password Manager Consumer Study 2023 — durchschnittlich über 100 Konten pro Nutzer
- Meta / Facebook: Legacy Contact — Gedenkseite und Kontoverwaltung
- Google: Inaktiven-Konto-Manager einrichten
- Apple: Digital Legacy — Legacy Contact einrichten (iOS 15.2+)
- Bundesministerium der Justiz: Informationen zum digitalen Nachlass — bmj.de
- Letzte Prüfung der Angaben: April 2026.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung. Das BGH-Urteil III ZR 183/17 stellt die rechtliche Grundlage für die Vererbbarkeit digitaler Konten dar — die praktische Umsetzung hängt von den jeweiligen Plattformbedingungen und den konkreten Einzelumständen ab. Bei komplexen digitalen Vermögensverhältnissen — Krypto-Assets in erheblicher Größe, gewerbliche Websites mit laufenden Verträgen, internationale Konten — empfehlen wir das Gespräch mit einem Rechtsanwalt.